Und täglich grüßt der Wahnsinn

Ich habe mich entschieden, meine erst kürzlich bezogene Heimat wieder zu verlassen. Wohin die Reise gehen soll, wird sich in den nächsten Wochen herausstellen. Alle Signale stehen auf die Stadt, die ich nach meiner Ausbildung verlassen habe. Wo sich D. die nächsten Jahre aufhalten wird.
Zu meinem Glück werden in ein paar Monaten Stellen bei meinem ehemaligen Arbeitgeber neu besetzt.
Zu meinem "Pech" kam kürzlich ein Angebot aus der Stadt, wo mein zukünftiger Ex-Ehegatte wohnt. Tätigkeit: Auf meinem Niveau. Gehalt: Oberklasse. Arbeitsort: Idyllisch. Bonus: Mein Kind kann mehr Zeit mit dem anderen Elternteil verbringen. Der große Haken: Ich werde nie die Antwort auf die Frage bekommen: "Was wäre, wenn ich meine Ausbildungsstadt nicht verlassen hätte? Hätten D. und ich zueinander gefunden?" Die Frage stelle ich mir jeden verdammten Tag und ich finde keine Antwort. Ich sehe D. auf meinem Sofa sitzen; wir trinken ein Glas Wein. Sehe uns gemeinsam kochen und rumblödeln. D. weiß nichts von meinen Plänen, zurückzugehen. Bis die Scheidung durch ist und die Anspannung sich etwas gelegt hat, möchte ich davon nichts preisgeben.
 
Vielleicht bin ich der dümmste Mensch der Welt, wenn ich mir dieses Angebot entgehen lasse. Vielleicht aber auch der Glücklichste, wenn ich mit dem Menschen zusammen sein kann, der es einfach nur durch Anwesenheit schafft, mich zum Strahlen zu bringen. Vielleicht aber auch todunglücklich, wenn ich zurückgehe und nicht die Reaktion kommt, auf die ich so sehr hoffe. Dieses Zwiegespräch geht nun seit ca. zehn Tagen.

12.4.15 22:11

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